Ferdinand III. von Toskana

Ferdinand III. Joseph Giovanni Battista (1769-1824), Großherzog von Toskana, von Gottes Gnaden königlicher Prinz von Ungarn und Böhmen, Erzherzog zu Österreich, Herzog von Salzburg, Fürst zu Eichstätt, Passau und Berchtesgarden etc., des Heiligen Römischen Reichs Kurfürst

Eichstätter Fürst, der sein Reich nie betrat

Erzherzog Ferdinand von Toskana - aus dem Hause Habsburg-Lothringen - war Fürst von Eichstätt und hat sein Land an der Altmühl nie betreten. Er ließ an der Residenz sein Wappen anbringen, änderte den Titel der Eichstätter Zeitung in „Gnädigst Privilegiertes Großherzoglich-Toskanisches Intelligenzblatt“ und gab das in Salzburg geprägte Geld mit seinem Konterfei aus. Es handelte sich um Dukaten, Taler und Zwanzigkreuzer-Münzen. Die Grenzsteine aus der fürstbischöflichen Zeit blieben gültig, lediglich einzelne Besitzungen wurden durch kleine Wappensteine gekennzeichnet. Er war es, der die überaus wertvollen 327 Kupferdruckplatten des „Hortus Eystettensis“, dem Pflanzenbuch der Fürstbischöfe, nach Wien schaffen ließ. Sie wurden 1998 im Magazin des Museums Albertina Wien zufällig entdeckt. Hoffnungen bestehen kaum, dass die Druckplatten nach Eichstätt zurückgebracht werden.

Als Erinnerung an seine kurze Regentschaft vom 25. Februar 1803 bis 11. März 1806 hinterließ Seine Durchlaucht den Ferdinandshof. Es handelt sich dabei um einen stattlichen landwirtschaftlichen Gutshof und Versuchsstation an der jetzigen Bundesstraße 13 hinter Rupertsbuch, der heute gastronomisch genutzt ist. Die Gebäude sind im Stil der Toskana gebaut und das einzige, was von den ehemals großen Plänen einer Kolonie auf dem weiten Ferdinandsfeld verwirklicht wurde. Den Grundstein dazu legte der letzte Eichstätter Fürstbischof Joseph Graf von Stubenberg am 23. August 1805.Vorgesehen war die Errichtung von 14 weiteren Anwesen. Im Jahr 1806 kamen jedoch Gebietsteile des Hochstifts Eichstätt an Bayern. „Auf Befehl Seiner Majestät des Königs“ beschied Staatsminister Graf von Montgelas am 12. März 1810: „Die Colonisation am Ferdinandsfeld wird nicht fortgesetzt.“

Ferdinand Joseph Giovanni Battista wurde am 6. Mai 1769 in Florenz geboren und wuchs dort als drittes von insgesamt 16 Kindern mit seinem Bruder Franz, dem späteren Kaiser Franz II. von Österreich, auf.
Seine Eltern waren der spätere römisch-deutsche Kaiser Leopold II., Erzherzog von Österreich, ab 1765 Großherzog von Toskana, ab 1790 römisch deutscher Kaiser und König von Ungarn und ab 1791 König von Böhmen, sowie Marie Luise Ludovica, Tochter des Königs Karl III. von Spanien aus dem Hause Bourbon. Den Namen Ferdinand erhielt er von seinem Taufpaten, Onkel und späteren Schwiegervater Ferdinand IV., König von Neapel und Sizilien , den Zweitnamen Joseph nach dem väterlichen Bruder Kaiser Joseph II., dem männlichen Oberhaupt der Familie, und den Drittnamen nach dem Schutzheiligen der Stadt Florenz, Giovanni Battista, Johannes der Täufer.

Mit seiner ersten Frau Maria Louise von Neapel-Sizilien hatte Ferdinand sechs Kinder. Erst spät nach dem Tod seiner Frau heiratete er Maria Anna von Sachsen. Diese Ehe blieb kinderlos. Gestorben ist er am 17. Juni 1824 in seiner Geburtsstadt.

Das ehemalige Fürstbistum Eichstätt, das nach dem Säkularisationsbeschluss - Enteignung der geistlichen Fürstentümer - bayerisch geworden war, bekam Ferdinand in Folge des Friedens von Lunérville (Reichsdeputations-Hauptschluss von 1803). Er hatte noch gar nicht Zeit gefunden, sein Land an der Altmühl zu bereisen, da wurde es ihm auch schon wieder 1806 durch den Länderschacher Kaiser Napoleons nach der berühmten Drei-Kaiser-Schlacht von Austerlitz entrissen. Zum Ausgleich wurde Ferdinand Herr von Würzburg bis 1814; danach kehrte er in die Toskana zurück.

Die Eichstätter hatten ihrem neuen Landesherrn im März 1803 freudig gehuldigt. Seine Erhebung zum Kurfürsten von Salzburg am 14. Juli 1803 wurde auch in Eichstätt groß gefeiert. Die Eichstätter Schützengesellschaft organisierte ein dreitägiges Preisschießen und setzte 100 Gulden Prämien aus. Zwölf Böllerschüsse kündeten den Beginn des Wettkampfes an. Es gab einen kleinen Tempel mit sechs Säulen, reich mit Girlanden, Eichenlaub und dem „Durchlauchtigsten Churfürstlichen Wappen“ geschmückt. Auf einer Glücksscheibe stand zu lesen: „Es lächle stets zu Deiner Unterthanen Wonne, Dir, bester Ferdinand, des Heiles und des Glückes Sonne.“

Allerdings war die Finanzsituation des neuen mächtigen Mannes in Eichstätt nicht so gut, wie Gerüchte „von unermesslichem Reichtum“ glaubhaft machen wollten, die an der Altmühl kursierten. Er verkaufte u. a. die Jägerhäuser in Eichstätt sowie Schlösser in Kipfenberg und Dollnstein. Eine wichtige organisatorische Änderung war die Trennung von Justiz und Verwaltung. Die Steuern wurden erhöht. Die aufwändige Eichstätter Hofhaltung wurde aufgelöst, ein Teil der Beamten in Pension geschickt, andere nach Salzburg versetzt. Das betraf auch die Hofmusik und die Dienerschaft, ein schwerwiegender Verlust für Handel und Gewerbe. Eichstätt wurde Provinzstadt und war an die Weisungen aus Salzburg gebunden. Von den Biographen wird der Großherzog Ferdinand von Toskana als frommer Sohn der katholischen Kirche beschrieben. Bei seiner, und seines Bruders Franz, Erziehung war Wert auf einen guten Umgang mit den Mitmenschen gelegt worden; er erlernte Italienisch, Französisch, Deutsch und Latein. Der Erzherzog war Musik- und Naturliebhaber, erfreute sich an den Künsten und besaß eine bedeutende Bibliothek. Den Großteil seines glanzvollen Lebensstils bestritt er aus Einkünften seiner böhmischen Güter. Bekannt ist, dass Ferdinand gern mit Holz bastelte und bei Festen im Wiener Hofgarten Spaß daran fand, als Wirt auszuschenken. Am liebsten hielt sich Ferdinand in ländlicher Umgebung auf. Mit 55 Jahren ist er gestorben; begraben wurde er in San Lorenzo in Florenz, direkt neben dem Hauptaltar.