Die Architektur des Ferdinandshof

Die Anlage von Bauernhöfen am Schernfelder Forst

Nach dem Übergang des Eichstätter Gebietes an Erzherzog Ferdinand von Toskana wurde am Nordostrand des Schernfelder Forstes, also auf der Strecke der B13 (früher „Weißenburger Chausée“) die Errichtung von 16 Bauernhöfen geplant, um die gewaltigen Wälder der Jurahochfläche teilweise zu roden und nutzbar zu machen. Dem seinerzeitigen Landesherrn, der bald den Titel Kurfürst von Salzburg erhielt, verdankt das Projekt auch seinen Namen „Ferdinandsfeld“. Am 23. August 1805 durfte Bischof Joseph Graf von Stubenberg sogar den Grundstein für das erste Gebäude legen. Das Vorhaben ging über die Errichtung jenes „Ferdinandshofes“ nicht hinaus, weil sich für Eichstätt schon wieder neue politische Verhältnisse abzeichneten. Das ehemalige Fürstbistum kam unter die bayerische Krone. Auf dem Plan (angefertigt 1809) erkennt man entlang der Straßenlinie die vorgesehenen Bauernhöfe und den „königlichen Fohlengarten“ (Geländer).

Der erste Koloniehof zu Ferdinandsfeld

Gebäudeaufnahme aus dem Jahr 1955, Arch. Erich Wieser (1905-1991) Kreisbaumeister in Uffenheim

Das Wohnhaus am Ferdinandsfeld ist ein zweigeschossiger Massivbau, erbaut mit den anstehenden lagerhaften Kalkbruchsteinen der Gegend. Die Umfassungen sind im Erdgeschoß 2 Fuß (etwa 60 cm) stark, im Obergeschoß nur 1 ½ Fuß (etwa 45 cm). Auf dem Rücksprung ist die hölzerne „Mauerbank“ aufgelegt, die die Deckenbalkenlage trägt. Auch die Dachbalkenlage ruht auf einer ähnlichen Mauerbank.

Die Fenster der Wohnräume des Erdgeschosses, des Stalles und des Halmbodens im Obergeschoß sitzen hinter gehauenen Kalksteingewänden. Die Oberstockfenster mit festem Mittelstück, die als Schalung für die Stürze eingemauert wurden, sind mit ihren starken Rahmen fast mit der Außenseite der Mauern bündig. Auch die Haustüre sitzt hinter Steingewänden. Die Innenwände des Erdgeschosses sind ebenfalls hochgemauert, das Obergeschoß Fachwerkwände. Die beiden hintereinander liegenden Ställe sind mit quer laufenden Tonnengewölben aus Backstein überspannt.

Das Dach ist ein hierzulande seltenes Legschieferwalmdach, das in seiner Konstruktion dem des Cobenzlschlösschen ähnelt, das sich der Oberjägermeister Franz Ludwig Knebel von Katzenellenbogen 1730 ff. von Gabrieli erbauen ließ. Sein Dachstuhl ist ein Gemisch aus Pfetten- und Sparrendach. Die Rofen sind paarweise über den weit überstehenden Dachbalken angeordnet, in die sie mit ihren unteren Enden eingezapft sind. Im übrigen werden sie von zwei Mittelpfetten und einer Firstpfette unterstützt, deren Stuhlsäulen durch Kopfbänder gesichert sind. Die Firstpfette wird durch einen Überlagbalken über den Mittelpfetten abgefangen. Interessant ist die fächerartige Anordnung der Stichbalken über den Hausecken.

Der Grundriss zeigt die Endstufe des traufseitig aufgeschlossenen Hauses mit zwei hintereinander gereihten einreihigen Ställen. Das Bauwerk ist zweiraumtief, die Fünfzonigkeit mit Stube-Tenner-Kammer-Stall-Stall kommt nur auf der zum Hof schauenden Seite zum Ausdruck. Man gelangt durch die Haustüre in der Mitte des Wohnteils in den Tenner, der nur bis zur Mittellängswand reicht. An ihm liegt zur Straße die Stube, gegenüber die etwas kürzere Kammer, die von Anfang an Schlafkammer war.

Dahinter führt der Stallgang vom Tenner aus über Stufen in die tieferliegenden hintereinander geschalteten Ställe. An der Stirnwand des Tenners geht es in die Küche, die nicht bis zur Straßenfront durchgeht, da dort ein von der Straße aus zugängliches Kabinett liegt, das die Küche bis in den Raum hinter dem Tenner geschoben hat. Vom Stallgang aus führt am Küchenende die Treppe ins Obergeschoß, nach ihr kommt noch eine von der Küche aus zugängliche Speis. Die beiden Ställe nehmen die ganze Haustiefe ein, sie haben direkte Ausgänge zum Hof und sind durch eine breite Öffnung in der Trennwand miteinander verbunden.

Im Obergeschoß läuft der Tenner auf die ganze Haustiefe durch. An ihm liegen zur Straße die „Schöne Stube“ und eine Kammer, gefangen durch eine Schlotkammer. Auf der anderen Seite schaut eine weitere Kammer auf den Hof, dahinter führt ein Längsgang in den „Halmboden“.

In ihm wurde das Heu gelagert, das durch eine Türe in der Hoffront eingebracht wurde. Über der Speis im Erdgeschoß liegt ein Abstellraum.

Bereits im Jahr 1921 wurde mit dem nordseitigen Neubau eines Stall- und Futterbodenbaus die Anlage zum Dreiseit-Hof ergänzt.

Das Wohnhaus wurde unter weitgehender Beibehaltung des Bestandes zum Landgasthaus Ferdinandshof umgebaut, die beiden Ställe sind heute Gasträume, in dem Halmboden sind Gästezimmer eingerichtet. Diese Baumaßnahme im Jahre 1964/65 wurde durch Architekt Hans Metz, München planerisch und denkmalpflegerisch betreut.

Im Jahr 2004/05 erfolgte schließlich eine umfassende Sanierung des Gebäudebestandes mit Einbau zeitgemäßer, der Nutzung entsprechender Haustechnik. Auf einem Teilbereich der nördlich angrenzenden Ackerflächen erhält der historische Ferdinandshof derzeit als Nutzungsergänzung das neueingerichtete Freizeit-Camp.