Die Grundsteinlegung des Ferdinandshof

Verfasst von Joseph Barth, Direktor der Hofkammer
(Protokoll aus dem Bestand des Diözesanarchives)

Beschreibung wie der erste Stein zu Ferdinandsfeld gelegt wurde.

Dazu machte ich folgende Vorbereitungen:

1. Ließ ich die Plätze, auf welchem das erste Haus und der erste Stadl auf- geführt werden sollen, auf die 4 Ecken eines jeden mit Birken bezeichnen.

2. Die Länge und Breite der dazu gewidmeten Gärten- und Feldplätze aber mit hohen Pflocken bemerken.

3. In die 4 Ecken des zum Hause gegrabern Grundes abgerichtete Quater einsweilen los einlegen und

4. In den Quater des ersten Eckes gegen Osten eine Vertiefung einen halben Schuh lang und 3 Zoll breit einhauen um eine Druckschrift und Münzen einlegen zu können.

5. Die Druckschrift verfaßte ich so: in seratum

6. diese vom Diurnist Lang sehr schön auf Pergament geschriebene Druckschrift bekam vom Blech ein Futteral.

7. dann sammele ich alle Münzen von 1 Pfennig bis zu einem großen Taler, welche Se. K. H. haben schlagen lassen.

8. endlich ließ ich für die Arbeitsleute 2 Eimer Bier und etliche Laib Brod auf den Platz führen.

9. endlich ließ ich nun eine eigne neue schöne Kelle u. einen neuen Hammer dazu machen.

am 23. Aug. fuhr ich mit H. Oberforstmeister Brems u. dem Forst candidaten Juafetl nach dem dazu bestimmten Platz, um die H. Fürstbischof allda und H. dirigierenden Minister, dann andere hohe Gäste, zu empfangen, zeigte ihnen die Ein- und Abteilung des ganzen Platzes, legte die Risse und Pläne vor, und darauf begann der Akt. Se. Hochfürstlichen Gnaden höchstwelcher ich die Kelle mit Mörtel, H. Oberforstmeister aber den Hammer hielt, legten den ersten Grundstein, und gaben die Benediction. Darüber - neben mir hielt mein sechsjähriger Sohn 2 silberne Credenzen auf einer lagen die Münzen, auf der anderen die pergamentene Rolle samt Futteral. Wie ich Se. hochfürstlichen Gnaden erstere überreichte, u. auch von Höchstdemselben eine Münze, welche ich schon bereit hielt, beilegen zu dürfen bat, ließen sie das nicht geschehen, sondern zogen selbst einen ganzen Taler aus der Tasche, legten solchen zu den Münzen von Se. K. H. und schütteten sie sämtlich in die zu diesem Ende gemachte Öffnung des Quadersteins. Darauf schloss ich mit lautem Klang die Druckschrift, stellte sie in das Futteral und überreichte sie dem H. Fürstbischof, der sie in die nämliche Öffnung zu den Münzen legte. Diese Öffnung wurde gleich wieder mit einem Quaderstein gedeckt, zugemauert und die Nacht über bewacht bis anderntags nahe darauf gemauert werden konnte.

Den Grundstein am zweiten Eck legten nun Seine Exzellenz der dirigierende H. Minister. Den am dritten Eck der H. Weihbischof Graf v. Stubenburg und den am 4. Eck der H. Obriststallmeister Freyherr von Zehmen. Darauf legten die Freyherren von Ow, Freyherrn von Hellersdorf, von Eyb, die H. Hauptmänner Ulrich u. Häusler, ich und Brems und alle anwesenden alt und jung, groß und klein (selbst Frauenzimmer disensierte ich nicht) jedes einen Stein in den Grund, warf eine Kelle voll Mörtl darunter und gab 3 Hammerschläge darauf. Die H. Fürstbischof und Minister bezeugten Vergnügen und Zufriedenheit. Ersterer gab den 36 Arbeitern, welche während der ceremonis en fronte paradierten vier carolin und hielt sich lange auf. Den Anblick, wie der H. Fürstbischof da stand, die einen Cisternen gruben, andere Stöck auspodelten und die Männer den Grund hinaus mauerten, während gegenüber die Zimmerleut den Dachstuhl zimmerten, da in ein Monat gehoben werden muß, erinnerte an die Zeiten als Willibald, die Stätte, worauf die Eichen standen, auf eine ähnliche Art in die Stadt Eichstätt verwandelt, und den ersten Grund dazu gelegt hat.

Den ganzen Akt beschlossen die Arbeiter welche mit Bier und Brod regaliert wurden mit einem muntern fröhlichen Abend, während auch ich und weitere Reisegesellschaft in ihrer Mitte den ersten Mörtl mit einem Gläschen Wein anmachten und nach gut Vollbrachtem Tagwerk auf das höchste Wohl desjenigen tranken, der diesem neuen Ort seine Existenz und seinen eigenen Namen gab.