Die Landgeschichte bis heute

Steinzeit, Römer, Fürstbistum und Königreich

Von den Archäologen geborgene steinerne Beile, Pfeilspitzen und Werkzeug aus Hirschgeweihen belegen, dass das Eichstätter Land schon früh von Menschen durchwandert wurde. In den zahlreichen Höhlen an den Abhängen der Juraberge fanden sie Unterschlupf sowie Schutz vor der Witterung und den wilden Tieren. Um 500 vor Christus waren die Kelten hier ansässig und errichteten erste Festungen, wie auf dem Michelsberg bei Kipfenberg. Die Römerherrschaft dauerte von 90 bis rund 260 nach Christus. Sie hinterließen uns ihren Grenzwall, den Limes, der so bedeutend ist, dass er zu den Weltkulturerben zählt.

Zuerst wurde der Wall aus Holzpfosten errichtet, dann mit massiven Bruchsteinen gemauert. Zu seiner Sicherung baute man Kastelle, in denen Legionäre wohnten. Berühmt ist das Kastell von Pfünz. Entlang des Limes entstanden Wachtürme. Teile des Kastell Pfünz und einige der Türme wurden Ende des 20. Jahrhunderts rekonstruiert.

Im sechsten Jahrhundert kamen die Bajuwaren.

Der erste Eichstätter Bischof, der angelsächsische Königssohn Willibald, bekam das bayerische Stammesgebiet um „Eihstat“ von Suitger geschenkt. Er baute ein Kloster, die Urzelle des Bistums Eichstätt, woraus das Fürstbistum entstand: Ein geistliches und weltliches Reich mit eigenem Geld, mit Militär und Staatshoheit. Der letzte Fürstbischof war Joseph Graf von Stubenberg, der von 1791 bis 1824 amtierte und das Ende des Kirchenstaates erleben musste. Die Säkularisation ab 1802 mit der Einziehung der Kirchenstaaten, brachte das Ende auch für Eichstätt. Der Bischofssitz blieb; Pläne zu seiner Auflösung kamen nicht zur Ausführung.

Die Neuordnung und Orientierung mit Salzburg brachte aber auch nicht geringe Veränderungen. Diese traten am 03. November 1803 in Kraft und wurden durch Freiherr von Ow, dirigierender Minister des Fürstbischofs, später in Diensten Ferdinands III., feierlich verkündet. Langsam mussten sich die Beamten, nachdem ihnen die äußere Form gegeben war, an den Geist und die Formen eines neuen Geschäftsbetriebes gewöhnen. Manfredini, habsburgisch-toskanischer Reformminister, ein abgesagter Feind alles zopfigen, verstaubten Schlendrians in den alten Dikasterien, bemühte sich wie in Salzburg so auch in Eichstätt, durch Weisungen an von Ow den Behörden die Grundsätze moderner Verwaltung und Arbeitsweise nahezubringen.

Es handelte sich vor allem darum, die Kollegialverfassung zu ersetzen. „Ordnung und Klarheit ist die Seele der Geschäfte, Schnelligkeit ihr Leben. Jeder Behörde, jedem Referenten sollte der Geschäftsbereich abgemessen, minder wichtige und bloß laufende Gegenstände, die bisher weitschweifig in den Ratssitzungen abgehandelt zu werden pflegten, sollten nur im Büro des Direktors mit Beiziehung des betreffenden Referenten abgetan werden. Genaue Weisungen und ausführliche Erklärungen über die Führung der Protokolle, über Registrierung, Vidimierung usw. gingen an das dirigierende Ministerium. Die Form für dessen Verkehr mit Salzburg war genau vorgeschrieben.

Nach einer ersten, sehr kurzen Phase der königl.-bayerischen Zeit kam für das ehemalige Untere Hochstift, das Land um Eichstätt, im Jahre 1803 die Herrschaft Ferdinand von Toscana. Im März 1806 fiel Eichstätt wieder an das Königreich Bayern. Die Bürger feierten das, und in der Zeitung hieß es in einem langen Gedicht u. a:

„Auf! trocknet schnell die Tränen ab, vergesst die bittern Stunden. Der große Held
und Kaiser gab uns Balsam für die Wunden. Denn König Max ist unser Herr, wer's sagen kann, der springe im frohen Jubelton einher, und freue sich und singe.“

Das bayerische Wappen wurde an den Toren Eichstätts angebracht, Kanonen wurden abgefeuert und in der Residenz ein Fest gefeiert. Der Chronist bemerkte noch, dass an allen Orten Fröhlichkeit herrschte.

Genau 100 Jahre später wurde zur Erinnerung der Stellung Eichstätts unter der Krone auf dem Leonrodplatz der Wittelsbacher Brunnen mit der Patrona Bavariae errichtet.

Die Neueinteilung Bayerns im Jahr 1808 brachte für Eichstätt eine erfreuliche Aufwertung: Die Bischofstadt wurde Sitz des Altmühlkreises, der das ganze Gebiet zwischen Neumarkt, Riedenburg, Ingolstadt, Neuburg, Donauwörth und Heidenheim umfasste. Schon zwei Jahre später wurde daraus der Oberdonaukreis (1810 bis 1817), ebenfalls mit Sitz Eichstätt, aber mit dem gewaltigen Zugewinn der Landstriche um Dillingen, Günzburg und sogar Augsburg, das allerdings ein eigenes Stadt- und Landkommissariat bekam.

Noch einmal sollte Eichstätt höfischen Glanz bekommen, als im Jahr 1817 das einstige Untere Hochstift dem Herzog Eugène-Rose de Beauharnais (1781 bis 1824) aus dem Hause Leuchtenberg zugesprochen wurde, wenn auch unter bayerischer Oberhoheit. Der Herzog war Vizekönig von Italien, Fürst von Venedig, Erbgroßherzog von Frankfurt, der Schwiegersohn von König Maximilian und Stiefsohn Kaiser Napoleons. Die Hoffnungen der Eichstätter erfüllten sich aber nicht, denn das Haus Leuchtenberg hatte kein großes Interesse an dem Besitz. Eugen starb 1824.

Sein Nachfolger Herzog August (verheiratet mit Gloria, Königin von Portugal) und dessen Bruder Maximilian (verheiratet von Maria Nikolajewna, Tochter des Zaren Nikolaus I.) wurden auch nicht alt. An die drei Fürsten erinnern gusseiserne Gedenktafeln an mächtigen Felsen in der so genannten Anlage an der Ingolstädter Straße.

1832 erfolgte der Rückkauf Eichstätts durch die bayer. Krone, 1855 wurden auch die zahlreichen privaten Besitzungen der Leuchtenberger im Altmühlland vom Königreich Bayern erworben.

Die Leuchtenberger Regierungs- und Justizkanzlei war 1832 aufgelöst worden, Eichstätt „wanderte wieder einmal“ und wurde dem Regenkreis mit Sitz in Regensburg zugewiesen.

Schon 1838 stand eine nächste Gebietsreform an mit neuen Namen der Bezirke, wie sie heute noch Gültigkeit haben, lediglich die Pfalz gehört nicht mehr zu Bayern. Das Eichstätter Gebiet mit den Landgerichten Eichstätt und Kipfenberg wurde Mittelfranken mit Sitz in Ansbach zugeschlagen. Diese Einteilung hielt bis zum Juli 1972. Im Zuge der großen bayerischen Gemeinde- und Kreisreform kam der Landkreis Eichstätt zu Oberbayern und zur Wirtschaftsregion Ingolstadt. Der Landkreis wurde bedeutend aufgewertet, kamen doch Gebietsteile aus Mittelfranken und Oberbayern, der Oberpfalz, und mit dem Ort Ensfeld, auch aus Schwaben, dazu. Die Umgliederung wurde von der Bevölkerung je nach Standort sehr interessiert, aber auch mit Widerspruch aufgenommen.